Australien zu 3
Juhu – endlich geht’s nach Australien! ![]()
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Mit knapp 60 kg Gepäck und noch mehr Vorfreude starten wir Richtung anderes Ende der Welt. Der Flug verspätet sich natürlich wie immer, Nelio verewigt sich gleich zweimal auf meinem Sitz und ich verbringe den Rest des Fluges stehend im Gang. Willkommen im Familienurlaub 😊
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Endlich angekommen, schaffen wir es nicht mehr rechtzeitig, unser Mietauto abzuholen, aber das macht nichts stattdessen beziehen wir eine wunderschöne Unterkunft mit Pool und tropischem Garten in Brisbane. Die ersten Tage lassen wir es ruhig angehen, kaufen unsere Campingausrüstung, genießen entspannte Fahrten mit dem CityCat auf dem Brisbane River, kämpfen gegen den Jetlag an und gewöhnen uns langsam an den australischen Winter. Und ja – Winter in Australien bedeutet tatsächlich Winter.Nachts sinken die Temperaturen in Brisbane teilweise auf nur 3 °C, tagsüber kratzt das Thermometer oft gerade einmal an den 15 bis 20 Grad. Ehrlich gesagt hatten wir eher mit Cocktails und Flip-Flops gerechnet als mit drei Paar Socken im Schlafsack. ...hier gehts zu den Bildern... |
Wenige Tage später brechen wir mit voll beladenem Auto Richtung Norden auf. Unser großes Campingabenteuer beginnt.
Erster Halt: Noosa Heads und das wunderschöne Habitat Noosa Everglades Eco Camp. Schon bei der Einfahrt wird klar, dass wir hier nicht alleine unterwegs sind. Nelio ruft begeistert:
„Schau! Ein Känguru!“ Und tatsächlich hüpft direkt neben unserem Auto eines durchs Camp.
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Das naturbelassene Camp direkt am See ist wirklich beeindruckend: stille Wasserflächen, Eukalyptusbäume, Vogelrufe statt Verkehrslärm. Wir paddeln mit dem Kajak durch die Everglades, erkunden die Küstenlandschaft rund um Noosa Heads und genießen dieses seltene Gefühl von Ruhe, das nach einer langen Anreise besonders gut wirkt.
Nur nachts wird die Idylle kurz zur Charakterprobe. Die Temperaturen fallen im australischen Winter deutlich stärker als erwartet – teilweise knapp über den Gefrierpunkt. Und während das auf der Wetter-App noch „frisch“ klingt, fühlt es sich im Zelt eher nach „warum genau machen wir das eigentlich?“ an. Am Lagerfeuer sitzen wir also in kompletter Schichtausrüstung: Jogginghose, zwei Pullover, Winterschlafsack – und trotzdem mit dem Gefühl, dass irgendwo noch eine weitere Decke fehlt. Die dicke Decke hätten wir rückblickend vielleicht doch nicht als „überflüssiges Gewicht“ einstufen sollen.
Nelio sieht das Ganze deutlich entspannter. Er hat innerhalb von Minuten neue Freunde gefunden, sammelt Stöcke, grillt Marshmallows und ist insgesamt der Meinung, dass Camping eine sehr sinnvolle Lebensform ist. Kinder haben bei solchen Temperaturen offensichtlich ein anderes Wärmeempfinden. Während wir nachts im Zelt liegen, beobachten wir fasziniert die Australier: kurze Hosen, Flip-Flops, barfuß durch das Camp, als wären wir irgendwo an einem milden Sommerabend am Mittelmeer. Die Diskrepanz zwischen „wir frieren existenziell“ und „die anderen leben normal weiter“ gehört eindeutig zu den großen kulturellen Erfahrungen dieser Reise.
Nach ein paar Nächten, in denen uns die nächtlichen Temperaturen doch etwas frösteln ließen, beschließen wir, das Camping vorerst gegen Roadhouses und Motels einzutauschen – zumindest so lange, bis es wieder etwas wärmer wird. Von Noosa aus führt uns die Reise über Tin Can Bay weiter in Richtung Maryborough, während wir uns langsam an das Leben auf Australiens Straßen gewöhnen.
In Tin Can Bay erleben wir einen dieser typisch australischen Morgen: Delfine kommen zur Fütterung an die Küste, während sich gleichzeitig eine Gruppe pensionierter Australier in Ruderbooten gegenseitig in absurdesten Kostümen über das Wasser schiebt. Irgendwo zwischen Naturerlebnis und Seniorenkarneval. Am nächsten Tag erreichen wir Hervey Bay. Dieser Programmpunkt war schon lange fix eingeplant, denn die Walbeobachtung hatten wir bereits Monate zuvor gebucht. Frühmorgens geht es hinaus aufs offene Meer entlang der Küste von Fraser Island. Die Bedingungen sind ruhig, das Licht noch weich, und die ersten Delfine begleiten das Boot wie kleine Vorboten des eigentlichen Highlights. Dann taucht in der Ferne die erste Wasserfontäne auf. Und wenig später passiert das, worauf wir gewartet haben: Buckelwale überall. Mehrere Tiere brechen gleichzeitig aus dem Wasser, schlagen mit den Flossen auf die Oberfläche und springen nur wenige Meter neben dem Boot aus dem Meer.
Das Ganze wirkt weniger wie „Touristenaktivität“ und mehr wie eine Live-Dokumentation. Nelio schwankt sichtbar zwischen Faszination und vorsichtigem Respekt. Wir stehen, fotografieren, staunen und versuchen gleichzeitig, den Momen festzuhalten. Am späten Nachmittag kehren wir zurück an Land und genießen den Abend am Braaier.
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Die Reise führt weiter Richtung Norden. Acht Stunden Fahrt nach Mackay liegen vor uns, vorbei an Zuckerrohrfeldern, kleinen Ortschaften und Landschaften, die sich gefühlt stundenlang nicht verändern. Mit zunehmender Entfernung von Brisbane steigen auch langsam die Temperaturen. Aus 15 Grad werden 22, aus 22 werden 26. Man merkt, dass wir uns wieder Richtung Tropen bewegen – und damit auch Richtung mehr Schweiß und weniger Hoodie.
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 5 Uhr. Ausschlafen bleibt ein theoretisches Konzept auf Familien-Roadtrips. Ziel ist der Eungella Nationalpark, bekannt für eines der seltensten Tiere Australiens: das Schnabeltier. Die Fahrt hinauf in die Berge ist fantastisch. Nebel hängt in den Tälern, die Sonne bricht langsam durch die Wolken, und die Serpentinenstraße schraubt sich durch dichten Regenwald nach oben. Unten Sommer, oben fast mystisch kühl.
Am Broken River starten wir unsere Wanderung. Der Fluss schlängelt sich ruhig durch den Regenwald, begleitet vom Zwitschern der Vögel und dem leisen Plätschern kleiner Wasserläufe. Wir setzen uns auf einen Baumstamm, genießen die Stille und lassen die besondere Atmosphäre einfach auf uns wirken. Plötzlich taucht direkt vor uns ein Schnabeltier auf. Dann noch ein zweites. Für einen kurzen Augenblick gleiten sie an der Wasseroberfläche entlang, bevor sie wieder abtauchen und genauso lautlos verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Wir sind fasziniert und bestaunen noch die Natur.
Weiter geht es über den Sky Window Lookout und Finch Hatton Richtung Airlie Beach. Dieser Ort hat für uns eine besondere Note: Vor über 20 Jahren waren Simone und ich hier schon einmal als Backpacker unterwegs. Damals ohne Kinder, ohne große Planung, aber offensichtlich mit einer langfristigen Reisevirus-Infektion.
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Heute ist Airlie Beach deutlich voller. Camper, Wohnmobile, Reisegruppen aus allen Bundesstaaten – alles scheint sich hier zu sammeln. Trotzdem hat der Ort nichts von seiner entspannten Atmosphäre verloren. Unsere Tage verlaufen entsprechend klassisch: Pool, Lagoon, Papageienfütterung, Strandspaziergänge und Essen in allen möglichen Varianten zwischen „schnell gegrillt“ und „wir haben heute viel Zeit“.
Die Cedar Creek Falls sorgen für einen weiteren Höhepunkt: Wasserfälle, in denen wir baden, kleine Wanderwege durch tropische Vegetation und am Ende entdecken wir noch einen Waran, der im Gebüsch langsam die Flucht ergreift. Weiter geht es Richtung Norden. Mit der Fähre setzen wir nach Magnetic Island über – eine Woche Inselzeit, diesmal ohne Auto, aber mit maximal optimierter Packlogistik: Rucksack, Kühltasche, Schnorchelausrüstung und die Hoffnung, dass wir nichts Wichtiges vergessen haben. Das Wetter bleibt zunächst wechselhaft. Der australische Winter 2025 zeigt sich weiterhin eher untypisch: kühl, gelegentlich regnerisch und insgesamt weniger „Postkarte“ als erwartet. Trotzdem erkunden wir die Insel täglich. Kleine Buchten, Wanderwege, Rock Wallabies, Koalas hoch oben in den Bäumen – und diese Mischung aus Wildnis und Urlaubsort, die Magnetic Island so besonders macht.
Mit dem Bus reisen wir weiter entlang der Küste. Auf unseren Wanderungen entdecken wir immer wieder Koalas, die gemütlich in den Bäumen hängen und bestaune den Ausblick über die Insel. Besonders niedlich sind die Koalababys, die sich fest an ihre Mütter klammern und dabei wie kleine, äußerst entschlossene Fellknäuel wirken. Abends tauchen Opossums am Bungalow auf und prüfen routinemäßig, ob irgendwo Essbares unbewacht herumliegt.
Nach ein paar kühlen Tagen ist und das Wetter uns dann doch noch hold und wir können die Unterwasserwald bestaunen. Direkt vor unserer Unterkunft liegt ein Strand mit vorgelagertem Riff und zum ersten Mal geht Nelio im offenen Meer schnorcheln. Flossen an, Maske auf, ein bisschen Nervosität im Blick. Korallen, bunte Fische, ständig neue Entdeckungen. Mit jedem Fisch wird die Begeisterung größer, und irgendwann verschwimmt die Zeit komplett. Wenige Tage später geht’s wieder retour ans Festland.
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Über Mission Beach fahren wir in die Atherton Tablelands. Durch die Höhenlage wird das Klima deutlich kühler, fast angenehm frisch. Die Landschaft verändert sich erneut komplett: Regenwald, Wasserfälle, Kraterseen und riesige Feigenbäume prägen die Region. Millaa Millaa Falls, Zillie Falls, Ellinjaa Falls – jeder Stopp besonders. Dazu Lake Eacham und Lake Barrine, stille Kraterseen mitten im Wald, und der beeindruckende Curtain Fig Tree, der aussieht, als hätte jemand die Natur bewusst sehr großzügig gestaltet.
Wir beziehen ein Apartment auf dem Campingplatz am See und planen die nächsten Tage ganz entspannt mit Kochen und dem einen oder anderen Glas Wein. Die Granite Gorge soll etwas Besonderes sein, also nehmen wir sie uns für den nächsten Tag vor. Dort wandern wir zwischen riesigen Granitblöcken hindurch und springen von Stein zu Stein. Das australische Outback zeigt sich dabei von seiner schönsten Seite – rau, trocken und beeindruckend, mit Wasserläufen, die sich ihren Weg durch die Landschaft bahnen.
Wir verbringen die restlichen Tage am Campingplatz mit Ausflügen zu Wasserfällen und entscheiden uns noch einen Abstecher nach Westen ins Outback zu machen. Im Chillagoe-Mungana-Caves-Nationalpark betreten wir schließlich eine Welt aus Kalkstein, Höhlen und uralten Felsformationen. Wir haben eine wirklich tolle Unterkunft ergattern können und genießen die Zeit dort sehr. Wir gehen im nahegelegenen Fluss schwimmen, springen von den Klippen ins Wasser und spazieren anschließend zum Balancing Rock. Von dort oben haben wir einen wunderschönen Ausblick über die Weite des australischen Outbacks.
Am nächsten Tag buchen wir eine Tour zu den bekannten Höhlen. Diese Kalksteinhöhlen sind einfach atemberaubend, mit ihren beeindruckenden Gesteinsformationen und faszinierenden Strukturen. Leider sind die Nächte etwas bewölkt, sodass uns der erhoffte klare Sternenhimmel am Lagerfeuer verwehrt bleibt.
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Mit etwas Wehmut verlassen wir nach drei Tagen das Outback und fahren zurück an die Küste. Zum Abschluss entdecken wir noch wilde Pfauen – ein schöner letzter Moment dieser Etappe unserer Reise. Zurück geht es für uns für eine Nacht zu den Tablelands und tags drauf über Kuranda nach nach Cairns. Erwartet hatten wir tropische Hitze, bekommen jedoch australischen Winter mit Überraschungsregen. Temperaturen zwischen 22 und 26 Grad – objektiv gut, subjektiv aber weniger „Karibikgefühl“ als gedacht.
Trotzdem ist diese Pause willkommen. Wasserrutschen, Night Markets, Kuranda-Ausflüge und viel gutes Essen sorgen für entspannte Tage zwischen den Fahrten.
Lange haben wir versucht, eine passende Insel mit guten Schnorchelmöglichkeiten und entspanntem Insel-Feeling zu finden – und ehrlich gesagt war das gar nicht so einfach. Schließlich entscheiden wir uns für die Frankland Islands. Bereits früh am Morgen holt uns ein Bus ab. Nach etwa einer Stunde Fahrt in Richtung Süden erreichen wir das Speedboot. Entlang eines Flusses geht es hinaus aufs offene Meer, und nach rund zwei Stunden Fahrt erreichen wir die unbewohnte Insel.
Und wir staunen nicht schlecht: Die Insel ist einfach fantastisch. Ein traumhafter Strand, ein beeindruckendes Riff direkt vor der Küste und seichtes, glasklares Wasser – ideal zum Planschen, auch für Kinder. Wir haben richtig Glück, denn unser Guide erzählt uns, dass normalerweise bis zu drei Boote pro Tag hier ankommen. Heute sind wir jedoch nur rund 20 Personen. Zum Mittag gibt es ein Fischbuffet, und den Nachmittag verbringen wir mit Schnorcheln und Fotografieren – einfach der Hammer.
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Am späten Nachmittag geht es schließlich wieder zurück aufs Festland, entlang desselben Flusses. Nur wenige Meter vom Boot entfernt entdecken wir noch ein massives Salzwasserkrokodil – ein eindrucksvoller Abschluss dieses Tages.
Nach einer Woche in Cairns zieht es uns weiter Richtung Norden. Eigentlich wollten wir drei Nächte im Daintree National Park campen, doch der Dauerregen macht uns einen Strich durch die Rechnung. Bei diesem Wetter im Zelt zu schlafen klingt plötzlich nicht mehr besonders verlockend. Also suchen wir kurzerhand nach einer Unterkunft – leichter gesagt als getan. Die Preise sind happig und viele Unterkünfte bereits ausgebucht.
Nach einiger Suche werden wir schließlich doch fündig und ergattern einen Bungalow im Daintree Crocodylus. Schon die Fahrt dorthin ist ein echtes Highlight. Die Küstenstraße Richtung Port Douglas schlängelt sich zwischen tropischem Regenwald und dem türkisblauen Meer entlang. Immer wieder halten wir an, um die Aussicht zu genießen und ein paar Fotos zu machen – schöner könnte der Weg kaum sein.
Mit der Fähre setzen wir schließlich in den Daintree National Park über. Gleich der erste Stopp am Mount Alexandra Lookout raubt uns den Atem. Vor uns erstreckt sich ein unglaubliches Panorama aus dichtem Regenwald, einer traumhaften Bucht und dem endlosen Meer. Je weiter wir in den Nationalpark hineinfahren, desto beeindruckender wird die Landschaft. Wir passieren dichten Dschungel, halten an mehreren Lookouts und entdecken in einem Fluss sogar Krokodile – ein Moment, der uns noch einmal bewusst macht, wie wild diese Gegend ist. Am Kulki Lookout endet unsere Reise Richtung Norden. Von hier aus geht es nur noch mit einem Allradfahrzeug weiter.
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Die Nacht verbringen wir mitten im Regenwald in unserem gemütlichen Bungalow. Natürlich wollen wir uns einen Night Walk nicht entgehen lassen. Offiziell ist das zwar nicht erlaubt, doch unsere Neugier ist größer. Viel bekommen wir allerdings nicht zu Gesicht. Statt der erhofften Tiere entdecken wir vor allem unzählige kleine Augenpaare, die aus der Dunkelheit zurückleuchten. Wer dort alles im Unterholz unterwegs ist, möchten wir lieber gar nicht so genau wissen.
Am nächsten Morgen lassen wir uns beim Frühstück Zeit. Während draußen der Regen unaufhörlich auf das Blätterdach prasselt, genießen wir die besondere Atmosphäre des Regenwaldes. Anschließend machen wir uns auf den Rückweg nach Cairns. Dort wartet noch ein weiteres Highlight auf uns: ein Ausflug auf eine Insel – und natürlich wollen wir auch Simones Geburtstag gebührend feiern.
Simones Geburtstag verläuft eher unspektakulär. Wir gehen schwimmen, und Simone möchte unbedingt zum Italiener essen gehen – ich kann es bei dem ganzen Seafood ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen, aber gut. Wir stoßen mit einer Margarita an, sind schnell etwas bedrunken, und das Essen schmeckt überraschend gut, fast wie in einem Haubenrestaurant.
Am nächsten Tag fahren wir auf die Green Island, wo wir mit dem Glasbodenboot unterwegs sind. Nelio staunt nicht schlecht, als plötzlich zwei Riffhaie unter uns auftauchen, dazu unzählige bunte Fische rund um das Boot. Der Tag vergeht wie im Flug mit Schnorcheln, Baden und dem Versuch, sich durch die vielen Touristen zu kämpfen. Es ist zwar nicht schlecht, aber nochmal würden wir Green Island wohl nicht besuchen – zu touristisch und das Riff wirkt bereits ziemlich zerstört.
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Langsam steht die Rückreise an, und erneut diskutieren wir über die Route. Eigentlich wäre der Plan ganz einfach gewesen: gemütlich entlang der Küste zurück nach Brisbane fahren, noch ein paar Strandtage genießen und die letzten Wochen entspannt ausklingen lassen. Doch Andi wäre nicht Andi, wenn er nicht plötzlich nochmals die Karte auspacken und sagen würde:
„Wenn wir schon hier sind, könnten wir eigentlich noch kurz durchs Outback fahren.“
„Kurz“ bedeutet in Australien allerdings meistens mehrere tausend Kilometer, stundenlange Fahrten auf endlosen Straßen und Tankstellen, die gefühlt nur aus einer Zapfsäule, drei Fliegen und einem warmen Cola-Kühlschrank bestehen. Also geht es tatsächlich wieder Richtung Inland. Und rückblickend war genau das die beste Entscheidung der gesamten Reise.
Unser erster Stopp führt uns zu den Undara Lava Tubes. Bereits am Abend sitzen wir mitten im trockenen Buschland vor dem Lagerfeuer, während über uns ein Sternenhimmel erscheint, wie man ihn in Europa kaum noch kennt. Keine Straßenlaternen, keine Geräusche, nur das Knistern des Feuers und irgendwo in der Ferne das Rascheln der Wildnis. Simone erzählt Nelio Gruselgeschichten, während dieser gleichzeitig Angst hat und unbedingt noch eine hören möchte.
Die Reise führt weiter Richtung Porcupine Gorge. Die Fahrten werden länger, die Orte kleiner und die Landschaft karger. Stundenlang fahren wir geradeaus durch trockene Savannenlandschaften, vorbei an vereinzelten Rinderfarmen und Roadtrains, die aussehen, als würden sie niemals bremsen können.
Doch jeder einzelne Stopp lohnt sich. Wir sehen rote Kängurus, unterschiedliche Echsen auf der Straße vorbei huschen, Emus und sämtliche Greifvögel über uns kreisen.
An der Porcupine Gorge stehen wir plötzlich hoch oben an den Felsklippen und blicken tief hinunter in die gewaltige Schlucht. Der Abstieg ist schweißtreibend, besonders mit müdem Kind auf den Schultern, aber unten angekommen eröffnet sich eine beeindruckende Landschaft aus roten Felsen, kleinen Wasserläufen und bizarren Gesteinsformationen. Nelio springt über die Steine, während wir versuchen, nicht gleichzeitig Kamera, Wasserflasche und Kind im Auge zu verlieren.
Weiter südlich erreichen wir schließlich Winton – Australiens Dinosaurier-Hauptstadt. Zwischen staubigen Straßen, alten Pubs und endloser Steppe besuchen wir Dinosaurierspuren und Aussichtspunkte mitten im Nirgendwo. Die trockene Hitze des Outbacks zeigt sich hier erstmals richtig. Tagsüber klettert das Thermometer teilweise deutlich über 30 Grad, während es nachts überraschend kühl wird.
Die Nacht verbringen wir in Rest Easi Motel mehr schlecht als recht, aber dafür günstig.
Tags darauf geht’s wieder weiter als, mitten auf einer einsamen Straße neben unserem Auto plötzlich ein riesiger Zikadenschwarm auftaucht. Anfangs glauben wir tatsächlich, es würde zu regnen beginnen, weil es am Dach nur so prasselt. Erst Sekunden später erkennen wir rechts neben uns eine dunkle Wolke aus tausenden Insekten, die mit unglaublicher Geschwindigkeit über die Landschaft zieht. Für einen kurzen Moment verstehen wir, wie solche Schwärme ganze Felder leer fressen können. Und als wäre das noch nicht australisch genug, tauchen kurz darauf noch Emus und Kängurus entlang der Straße auf.
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Jeder stopp im Outback ist eine für eine Überraschung gut. In Longreach angekommen, checken wir am Campingplatz in einen Bungalow ein, streifen durch die kleine Ortschaft und genießen ein Bier beim Sonnenuntergang.
Hier erleben wir schließlich einen der schönsten Sternenhimmel unserer gesamten Reise. Der Ort ist bekannt für seine klaren Nächte, und tatsächlich scheint die Milchstraße so hell, dass man fast das Gefühl hat, sie berühren zu können. Wir sitzen bis spät in die Nacht draußen, fotografieren den Himmel und genießen diese unglaubliche Ruhe mitten im Outback.
Ein ganz besonderes Highlight wartet allerdings noch auf uns: die roten Sanddünen von Windorah. Bereits die Fahrt dorthin wirkt surreal. Kilometerlang führt die Straße schnurgerade durchs trockene Outback, bis sich die Landschaft langsam verändert. Die Steppe wird sandiger, einzelne Dünen tauchen auf.
Zu Mittag legen wir einen Stopp im beeindruckenden Stonehenge Australia ein. Nelio staunt nicht schlecht – so einen verlassenen Ort mitten im Outback mit Cowboys hat er noch nie gesehen.
Am Nachmittag geht es weiter nach Windorah, wo wir in einer tollen Unterkunft einchecken und schon voller Vorfreude auf die Dünen sind. Wenige Kilometer außerhalb von Windorah verändert sich die Landschaft schlagartig – die Steppe wird zur Wüste. Wir steigen auf die Dünen, genießen die Weite und beobachten die vielen Greifvögel, die über der Landschaft kreisen. Weiter geht es zur größten Düne, wo wir auf den Sonnenuntergang warten. Nelio schreibt begeistert seinen Namen in den roten Sand, wir kochen mitten in der Wüste Abendessen auf unserem kleinen Campingkocher und beobachten, wie die Sonne langsam alles in tiefes Orange färbt und sich der Sternhimmel zeigt.
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Erst spät kehren wir zurück nach Windorah. Dieses Erlebnis wird Nelio wohl noch lange als eines der Highlights der Reise in Erinnerung behalten.
Am nächsten Tag brechen wir erneut zu einer langen Fahrt auf – rund sieben Stunden bis nach Charleville. Dort steht ein Besuch im Charleville Cosmos Centre & Observatory auf dem Programm. Besonders bekannt ist das Zentrum für seine Sonnenbeobachtung mit einem großen Hydrogen-Alpha-Teleskop, mit dem man die Sonne eindrucksvoll als glühenden Feuerball sehen kann – einzigartig in dieser Form weltweit.
Wir bleiben ein paar Tage auf dem Caravanpark im Bungalow und genießen die Ruhe nach der intensiven Reise. Bei der Sonnenbeobachtung staunen wir nicht schlecht, auch wenn es für Nelio aufgrund der Sprache und der eher abstrakten Eindrücke weniger spannend ist als für uns.
Nach der Erholung geht es weiter nach Injune und anschließend in die Carnarvon Gorge. In Injune bleiben wir nur eine Nacht, bevor wir früh morgens in die Gorge aufbrechen. Bei perfektem Wetter wandern wir durch spektakuläre Landschaften, entdecken Kängurus, seltene Vogelarten, Wasserläufe, Felsformationen und Aboriginal-Felszeichnungen – ein echtes Highlight. Erst am Abend kehren wir erschöpft nach Injune zurück.
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Eigentlich zieht es uns noch nicht nach Brisbane, denn irgendwie wollen wir noch nicht das Ende der Reise sehen. Eine letzte Woche am Bauernhof steht an. In der Nähe von Bundaberg beziehen wir kurzfristig eine Farmunterkunft. Die Tage verbringen wir mit Tierfüttern, Andi geht morgens surfen, und abends gibt es frischen Fisch und Seafood. Während Nelio das Wandern endgültig satt hat, stehen nun Pool, Tiere und Entspannung im Vordergrund – ein schöner Abschluss unserer zweimonatigen Reise.
Zum Abschluss verbringen wir noch zwei Nächte in einem Apartment im Zentrum von Brisbane mit Blick auf die Skyline. Das Camping-Equipment haben wir bereits verkauft, und Brisbane ist uns inzwischen gut vertraut. Wir besuchen noch die Boondall Wetlands, gehen lecker essen, kaufen Souvenirs und lassen die Reise langsam ausklingen.
Vor allem aber hat uns diese Reise etwas geschenkt, das viel wertvoller ist als jede Sehenswürdigkeit: unvergessliche Erinnerungen als Familie.
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